Dienstag, 29. Januar 2013

good old blues

Ein freudiger Hintergedanke für diesen Aufenthalt in Kalifornien ist auch, hier die Gelgenheit zu bekommen, die eine oder andere Chance auf große Live-Musik zu bekommen.

Lieder erweist sich das bis dato als nicht so einfach. Wenn sich einmal die Chance bietet, dann nur zu noch verrückteren Preisen als in Europa. Zum Beispiel tritt Neil Young in der Hollywood Bowl auf. Die Plätze am Juchee kosten dort aber auch noch weit über 100 $.

Weiters kommt hinzu, dass sich hier in die Gegend sowieso selten wer her verirrt. Die näheste Stelle, wo hin und wieder auch interessante Namen auftreten ist das Cumash Casino, eine Stunde entfernt oder die St. Barbara Bowl, 1,5 Stunden weit.

Wiewohl auch hier SLO hin und wieder interessante Sachen geboten werden. Den Auftakt macht Oscar-Gewinner Jeff Bridges mit seiner Band den "Abiders". Jeff Bridges knüpft hier an mehrere Dinge aus seiner Schauspieler Karriere an. Einerseits spielt er Musik aus dem Film "Crazy Heart" andererseits pflegt er den Mythos des "Dude" aus "The Big Lebowski". Die Musik ist ganz ok, Jeff Bridges spielt eine Mischung aus Country, Folk und Blues. Herr Bridges selbst stellt sich Inkarnation seiner Figur aus "The Big Lebowski" dar und mimt ganz den "Dude". Ein Großteil des Publikums, scheint genau das zu erwarten. Die Stimmung ist daher ganz gut.

Weiter geht es dann mit einer Veranstaltung im Fremont Theater. Das Fremont ist ein schönes altes Kino - so richtig mit alleinstehendem Kartenhäuschen vor dem Kino - und hat einen großen Saal. Dort tritt die lebende Blues Legende Taj Mahal auf. Im Gegensatz zu Herrn Bridges, bei dem mich eher die Person als die Musik interessiert hat, bin ich bei Taj Mahal schon sehr gespannt auf die Musik. Das Konzert erweist sich als ausgesprochen unterhaltend und zwar aus mehreren Gründen. Taj Mahal spielt schönen Blues, angehaucht von afrikanischer Musik und sehr eigen interpretiert. Seine kratzige Stimmer gepaart mit seinem Slang machen für mich zwar schwer verständlich, aber der Schmäh rennt. Leider geht der alte Herr nach etwas mehr als einer Stunde auch schon wieder von der Bühne. Bis dato ist dies allerdings eines der besten Blues Konzerte meiner "Laufbahn". Die Musik ist gut und die Geschichten, die Taj Mahal erzählt sind, musikalisch und anküdigend,  sind genial.

Den skurrilsten Abend erleben Margueritha und ich unter Mithilfe der San Luis Obispo Blues Society. beim Anstellen für das Jeff Bridges Konzert Das erste Mal höre ich von der Society beim Anstellen für das Jeff Bridges Konzert. Die sollen da recht ansehliche Konzert veranstalten, die immer in der SLO Veterans Hall stattfinden. Ich verfolge die Society seit dem und siehe da, ich finde eine Empfehlung in der Tageszeitung. Am Wochenende spielt Cafe R&B. Die Beschreibung klingt vielversprechend, also gehen wir hin.
Beim Eintritt in die Veterans Hall, wissen wir auf einem Schlag, dass der Veranstatlungsort gut gewählt ist. Der Saal ist voll mit "Veteranen, ältere Damen und Herren die noch dazu in einer Art Tanzstunde auf dem Parkett stehen. Wir fragen uns, wo wir da hin gekommen sind, aber es ist lustig. Tatsächlich beginnt der Abend mit einer Tanzstunde, Jive scheint angesagt. Das Parkett leert sich und ein ebenso älterer Herr, cool mit Hut und Sonnenbrille kündigt die Vorgruppe an - eine lokale Blues Band. Kaum spielt die Band werden wir aber vom Publikum überrascht. Die Leute stürmen die Tanzfläche und shaken, das die Knochen krachen. Die Musik und vor allem der Sound sind mäßig, aber wir genießen die Leute. Wir sehen einige bemerkenswerte Tanzkünstler, solche die kämpfen, aber auch einige (wenige) gute Tänzer. Dazwischen kommen immer wieder weißhaarige Rocker, mit langen Haaren, Lederjacken, Hüten, Sonnebrillen und sonstigen "coolen" Verkleidungen. Es scheint, als ob sich die alte '68er Garde aus der Umgebung versammelt hat. Der einzige Unterschied ist, dass die Typen heute mit teurer und design-ter Kleidung auftauchen, wahrscheinlich direkt von einem gut bezahlten "9to5" job. Die Hauptband beginnt und legt angeführt von einer 54jährigen schwarzen R&B Rakete à la Tina Turner eine fulminante Show hin. Das Publikum ist begeistert und rockt richtig ab. Ich habe noch nie so viele "alte" Menschen abrocken gesehen wie hier. Aber klar, die Leute hier sind definitiv mit dieser Musik aufgewachsen und zwar wesentlich intensiver, als unsere Eltern.

Ich bin schon gespannt, was uns die Region musikalisch noch alles bieten wird.

Dienstag, 22. Januar 2013

ccsoccer

Ein Vorsatz für den USA Aufenthalt ist das Thema Sport. Ich nehme mir vor, die vermehrte Freizeit dazu zu nutzen, meinen Körper wieder etwas besser in Form zu bekommen. Einerseits soll es etwas Fitness Training sein auf der anderen Seite möchte ich Fußball spielen. Fußball hat zwei Aspekte. Natürlich macht mir Fußball nach wie vor Spaß. Aufgrund meiner Knieverletzung und der Tatsache, dass ich in Wien nur die Möglichkeit hatte, in der Halle zu spielen, habe ich die letzten Jahre ohne aktiven Fußball verbracht. Ein weiterer Grund, Fußball zu spielen, ist die Annahme, dass man auch in den USA über einen Teamsport am Schnellsten Menschen kennen lernt (beim obligaten Bier nach dem Match).

Die Fitness Sache ist sehr rasch beschrieben. Ich probiere zwei Fitness Center und einen Cross-Fit Club aus. Die Fitness Center sind fad und natürlich gaaaaanz anders als in Wien. Das Cross Fit Training ist sehr gut, aber zu teuer (dass die Stunden dort um 6 in der Früh sind, spielt überhaupt keine Rolle).

Auf der Suche nach Fußball stoße ich in Wien schon auf die Homepage von Central Coast Soccer. Dort finde ich heraus, dass keine 5 Minuten von unserem Haus eine schöne öffentliche Sportanlage liegt, wo auch Fußball gespielt wird. CCSoccer bietet mehrere Ligen an, eine reine Frauenliga, eine Liga für ältere Herren (wie mich) und die sogenannte Coed Liga, wo man in gemischten Team spielt. In allen Ligen wird streng "recreational" gespielt, sprich Vorsicht ist das oberste Gebot, tackling ist verboten, der Goalie hat immer Vorrang und überhaupt haben wir uns alle lieb.

Ich registriere mich auf der Website, die Kosten sind moderat und ich bekomme auch ein "Wende Shirt", das auf der einen Seite weiß und auf der anderen Seite rot ist, sehr praktisch. Bei der Anmeldung wird man noch nach der eigenen Spielerfahrung gefragt. Ich melde mich als "advanced" an - es gibt dann noch "Spielmacher" - ohne die Liga zu kennen, ist es schwierig sich einzuschätzen.
Ich bin für die Coed Liga gemischt gemeldet. Manderl und Weiberl gemischt, 7 Spieler, 2 mal 25 Minuten. Für die Mens 35+ Liga (11 Spieler, 2 mal 40 Minuten) bin ich zu spät.

Ich besorge mir noch die voregeschriebenen Schienbeinschützer, natürlich neue Schuhe und los geht's. Am nächsten Montag stelle ich gleich ein paar Dinge fest. Ich bin ganz offensichtlich mehr als advanced, das Niveau ist im Schnitt nicht besonders hoch. Ich bin ganz offensichtlich außer Form. Es macht trotzdem ganz offensichtlich Spaß. Und ganz offensichtlich stimmt das mit dem Leute kennen lernen auch (und vor allem das mit dem Bier trinken).

Schon im ersten Spiel lerne ich eine Runde kennen, die nach dem Matches immer zur "Village Host Pizza" auf Pizza und Bier gehen. Natürlich hänge ich mich an und bin nach kurzer Zeit schon sehr gut etabliert. Mein gutes Defensivspiel am Feld, meine Herkunft und (wie immer) meine Bier-Historie tragen dazu bei, dass ich rasch im innersten Kreis aufgenommen bin. Die Runde ist bunt gemischt und es macht immer wieder Spaß.

Mittlerweile spiele ich zweimal die Woche, Coed und Mens 35+ und zähle eine große interessante Runde zu meinem Bekanntenkreis. Immer wieder lerne ich neue Menschen und Geschichten kennen.

Fußball an sich hat hier in den USA eine interessante Stellung. Dadurch, dass früher nahezu die gesamte männliche Nachkommenschaft in den Sportarten American Football und Baseball hängen geblieben ist, hat sich in den USA eine starke Damenfußball-Gemeinde gebildet. Es spielen wirklich viele Frauen Fußball und das teilweise auf hohem Niveau. Die Männer sind nicht so stark, die US Profiliga verbucht zwar ständig Zuschauerzuwachs, die Stadien sind voll. Die Liga hat aber keinen hohen Stellenwert auch unter den Fußballfans. Gesprochen wird über die englische Liga. Auch die geläufigen Team-Namen in den Recreational Leagues sind fast alle englisch angehaucht. Von Everton bis Blackburn, von Nottingham bis Tottenham ist alles vertreten.
Es spielen allerdings wirklich viele Leute Fußball. Einerseits, weil es immer beliebter wird. Andererseits, weil die amerikanischen Sportarten praktisch keine Möglichkeiten bietet, außerhalb der Vereinsmannschaften zu spielen. Es gibt keine Hobby Football Teams und ich sehe auch nur wenige Hobby Baseball Teams (es wird zumindest Slow-Pitch gespielt).

Was mir besonders gut gefällt, ist die Einstellung der SpielerInnen - man schaut aufeinander, man unterstützt einander. SpielerInnen, die sich durch Eigensinnigkeit hervortun, werden rasch zurecht gewiesen. Schlechtere oder körperlich benachteiligte SpielerInnen werden immer miteinbezogen. Alles sehr zuvorkommend. (es gibt natürlich schon die obligatorischen Vollkoffer, aber nur wenige).
Etwas "stört" mich trotzdem - wie immer ist auch hier alles "great". Jemand schießt 10 Meter übers Tor = "great" - jemand gibt den fünften Fehlpaß = "nice try".