Sonntag, 30. September 2012

Kolibri Wars

Gleich bei der ersten Gelegenheit, an der wir unsere Terrasse nutzen, hören wir ein seltsames Brummen in den Büschen hinter unserem Haus. Bei der Erforschung der Herkunft des Brummens stellt sich heraus, dass wir einen Kolibri als "Mitbewohner" haben. In den nächsten Tagen sehen wir die kleinen Vögel immer öfter. Nachdem Kolibris sehr klein sind (ganz was Neues) und sich sehr schnell und ruckartig bewegen, können wir sie nur schwer beobachten. Wir kaufen daher eine Fütterstation, in der Hoffnung, die Viecher öfter und besser zu sehen.

 
Die Kolibris nehmen die Futterstation sofort in Beschlag. Wir sind ganz begeistert. Schon am ersten Tag gelingen mir einige ganz gute Fotos. Wir stellen schnell und überrascht fest, dass wir es mit unterschiedlichen Arten zu tun haben. In Summe zähle ich bis dato fünf verschieden Typen - die Kinder verteilen gleich Namen. Links ist zum Beispiel "Nasenpöpl"zu sehen und oben sitzt "Redneck" (wobei der ja eigentlich rote Halsfedern hat).

Redneck nimmt eine spezielle Stellung ein. Offensichtlich hat er sein Hauptquartier immer schon in dem Busch hinter der Terrasse gehabt. Somit glaubt er, dass die Fütterstation sein Eigentum ist. Innerhalb weniger Tage übernimmt Redneck das Kommando. Jeder "feindliche" Kolibri, der sich der Station nähert, wird sofort mit lautem Gekecker und Angriffsflügen vertrieben. Dabei machen die kleinen Vögel waghalsige Manöver und einen Lärm, wie Hubschrauber. Es stört sie nicht einmal, wenn wir auf der Terrasse sitzen - sie fliegen in rasender Geschwindigkeit nur wenige Zentimeter an unseren Köpfen vorbei. Ein Schauspiel sondergleichen. Leider bewegen sie sich so schnell, dass es mit trotz mehrmaliger Versuche nicht gelingt, das Spektakel mit der Videokamera festzuhalten. Nichts desto trotz gelingen mir mit der Zeit einige Fotos von unseren neuen Freunden.



Mittlerweile sind die Kolibris zur Selbstverständlichkeit geworden, sodass wir auch keine weiteren Sepzialnamen haben. Wir entdecken einen grünen Vertreter (siehe oben), einen sehr kleinen Dicken und noch ein paar andere "Rednecks". Ein weiterer kleiner und sehr schlanker Kolibri versucht es immer wieder, wird aber sofort von Redneck vertrieben. Er schimmert golden und bekommt daher den Namen "Goldie". Goldie ist insofern eine Herausforderung für mich, als dass es mir lange nicht gelingt, ein Foto von ihm zu machen. Immer wieder huscht er so schnell vorbei, dass die Kamera mit dem Fokussieren nicht nachkommt. Eines Abends ist es dann aber soweit. Es ist schon eher dunkel und ich räume auf der Terrasse zusammen, als Goldie vorbeikommt. Redneck scheint nicht zu Hause zu sein und so kann ich endlich ein Bild von Goldie machen. Wenige Minuten später, ist der Hausherr allerdings schon da und vertreibt Goldie wieder.


Ja - und irgendwann gelingt mir vielleicht sogar ein Video.....




Dienstag, 25. September 2012

Autos und Verkehr

Des Amerikaners liebstes Kind ist ja das Auto. Jeder hat eins, jeder braucht eins.

Im Vergleich zu Europa gibt es allerdings einige interessante Beobachtungen, die teilweise unsere "Vorurteile" bestätigen. Auf der anderen Seite gibt es dann doch bemerkenswert "langweilige" Dinge zu berichten.

Um in USA ein Auto zu sein, braucht es nicht viel. Auf den ersten Blick muss es natürlich groß, stark, hoch, lang oder schnell sein. Hauptsache viel PS. Der Sprit kostet zwar schon mehr als 4 Dollar, was im Auge des Amerikaners Freiheitsberaubung ist - dafür bekommt man aber 3,785 Liter Benzin. In Anbetracht der meist hoffnungslos übermotorisierten Autos, unserer Auto frißt bei 253 PS 16 Liter pro 100km, kommen die Spritkosten aber auf europäisches Niveau.



Es braucht aber eigentlich noch weniger. Um mit einem Auto in Kalifornien den Führerschein zu machen, muss es zwei Spiegel, Scheibenwischer, Blinker, Parkbremse und Scheibenenteiser haben. Ob das ganze mit Isolierband zusammengehalten wird, ist dabei egal. Auch das Alter das Vehikels interessiert offensichtlich niemanden. Zum Fahren selbst sind Blinker usw. dann gar nicht mehr nötig...



Natürlich sieht man auch immer wieder schöne alte Autos. Lincolns, Caddys, Buicks und und und. Bei einer Autoshow in Arroyo Grande sehen wir über 100 dieser wunderbaren alten Fahrzeuge. Ich könnte dazu einen ganzen Post nur mit Bildern ins Netz stellen.

 
Zugabe sind dann die "gepimpten" Autos - also alte Autos, die in allen möglichen Varianten umgebaut worden sind. Der amerikanische TÜV hat da entweder weniger Ansprüche, geringere Kosten oder die jeweiligen Besitzer sind alle steinreich.



Was den Verkehr und das rundherum betrifft, gibt es ein paar interessante Dinge zu beobachten. Man weiß ja, dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen eher niedrig sind. Höchstens 65 mph darf man z.B. auf dem freeway = Autobahn fahren. Das sind lächerliche 104,6 km/h. Allerdings halten sich die Leute auch daran. Ich sehe in der ganzen Zeit, in der wir dort drüben sind, keinen einzigen Raser, Drängler oder Lichthuper und nur einen Unfall. Dafür gibt es zwei Gründe. 

Einerseits sind die Strafen für Regelübertretungen enorm. Auf der Straße Mist aus dem Fenster zu werfen kostet z.B. 1.000 $. Die Polizei ist sprichwörtlich überall.
Andererseits erlebe ich es selbst, wie ich den Führerschein mache, dass der "Neuling" ab der ersten Sekunde des Lernens darauf getrimmt wird, vorsichtig und rücksichtsvoll zu fahren.


Fußgänger haben immer und überall Vorrang. Vor einer Stopptafel MUSS man so stehenbleiben, dass man die Linie noch sieht. Hinter einem Auto im Stau oder vor der Ampel MUSS man so stehenbleiben, dass man die Hinterreifen des vorderen Autos noch sieht. Beim Linksabbiegen MUSS man die Räder auf jeden Fall geradeaus lenken. Das alles dient dazu, dass man im Falle eines Auffahrunfalles nicht selber zur Gefahr für andere wird.
Beim zurückschieben MUSS man sich nach hinten drehen und den Arm um den Beifahrersitzen geben. Beim Spurwechsel und Abbiegen MUSS man IMMER über die jeweilge Schulter schauen.
Ja und natürlich - sobald man irgendwo eine Alarmsirene eines Einsatzfahrzeuges sieht MUSS man rechts ran und STEHENBLEIBEN. Es gibt noch viele weiter Beispiele und Regeln, die aus meiner Beobachtung auch wirklich eingehalten werden.

Das Alles und noch mehr führt aus meiner Sicht dazu, das Autofahren in den USA ausgesprochen sicher ist. Die niedrigen Geschwindigkeiten, das "Cruisen" machen zwar längere Entfernungen zu eine zeitraubenden Angelegenheit. Dafür wird man aber nicht so schnell müde. Und ich fühle mich bis dato auf der Straße eigentlich sehr sicher.